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Arbeitskraftabsicherung: Macht das Beispiel WWK Schule?

Kaum zu glauben, aber wahr: In Zeiten magerer Renditen und schrumpfender Märkte lassen Vermittler ein riesiges Geschäftsfeld weitgehend brach liegen. Die Arbeitskraftabsicherung (AKS) scheint bei vielen nicht allzu hoch im Kurs zu stehen. Wie sonst wäre die schwache Marktdurchdringung von rund 25 Prozent sonst zu erklären? Und als wäre das nicht schon bedenklich genug, erreichen uns in der letzten Zeit zunehmend Hiobsbotschaften in Sachen AKS.

Keine guten Nachrichten zur Arbeitskraftabsicherung

Die Zurich stellt ihre temporäre Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ein. Damit verschwindet das letzte dieser bedarfsgerechten Produkte vom Markt. Im Vorfeld hatten bereits einige Versicherer ihre Erwerbsunfähigkeitstarife für das Neugeschäft geschlossen. Die Begründung ist stets identisch: die Produkte werden vom Vertrieb nicht angenommen. Das gleicht einem Offenbarungseid, denn die Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist neben der BU sicher das am besten geeignete Breitenprodukt in der Arbeitskraftabsicherung. 

In den letzten Jahren haben folgende Anbieter  AKS-Tarife geschlossen:

-    Zurich – temporäre BU (SEU mit anfänglichem Schutz bei Berufsunfähigkeit - geschlossen zu 01.2018)
-    InterRisk – EU (SEU B907 ¬ geschlossen zu 01.2017)
-    Nürnberger – EU (Investment BasisErwerbsausfall- Versicherung - geschlossen zu 01.2017)
-    AachenMünchner – EU (SEU - geschlossen zu 07.2016)
-    Volkswohl Bund – temporäre BU (STBU - geschlossen zu 09.2015)
-    ERGO Direkt – EU (geschlossen zu 01.2015)

Neben selbstständigen Tarifen wurden auch Erwerbsunfähigkeits-Zusatztarife geschlossen:
-    ARAG (geschlossen zu 01.2017)
-    Europa (geschlossen zu 01.2017)
-    DEVK (geschlossen zu 01.2017)

Ein kleiner Lichtblick im allgemeinen Abwärtstrend ist die Neueinführung von EU-Tarifen bei der Hannoverschen (SEU; Einführung 04.2017) sowie der AXA (Selbstständige Erwerbsunfähigkeitsversicherung; Einführung 09.2017).

BU-Überschüsse: Keine Überraschung

In Maklerkreisen sorgt aktuell die WWK für Unruhe. Sie hat den BU-Verrechnungsgewinn nach 2016 erneut deutlich heruntergefahren und ist nach unserer Statistik der 13. Versicherer, der laufende BU-Überschüsse oder Boni senkt. Das Spannende daran: dieses Mal trifft es nicht nur die „teuren“ Berufsgruppen. Auch Akademiker und andere „gute“ Risiken sind jetzt betroffen. Für WWK-Versicherte startet das neue Jahr mit Netto-Beitragssteigerungen bis 40 Prozent. Das befördert den Verdacht, dem Versicherer liege nichts mehr an neuen BU-Verträgen – ein Run-off per Gewinndeklaration? 

Vor dieser Entwicklung im Bereich Arbeitskraftabsicherung hatten Franke und Bornberg bereits 2010 gewarnt – übrigens lange Zeit als einsame Rufer in der Wüste. Als mahnendes Beispiel konnte unter anderem die Auffanggesellschaft Protektor dienen, die den Bestand der ehemaligen Mannheimer Lebensversicherung verwaltet.

Unsere Studien zur Stabilität der Berufsunfähigkeitsversicherung liefern seit Anfang 2015 fundierte Einblicke. Die ersten markanten Absenkungen von BU-Überschüssen fanden jedoch wenig Beachtung oder liefen sogar unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Mittlerweile rückt das Thema endlich in das Blickfeld  der Öffentlichkeit. Und dennoch: Vor dem Hintergrund unserer detaillierten und in vielen Medien veröffentlichten Warnhinweise (BU-Stabilität 2016, BU-Überschüsse) wirkt die aktuelle Aufregung alarmistisch. Immerhin ist die Entwicklung seit Jahren vorhersehbar. Und wer trotzdem weiter sorglos mitgespielt hat, sollte sich jetzt nicht beschweren. 

BU-Geschäft: Keine Freude

Tatsache ist: Das BU-Geschäft bereitet den Gesellschaften längst keine ungetrübte Freude mehr. Ihre Risikoüberschüsse geraten unter Druck. Schuld daran ist auch der scharfe Preiswettbewerb der letzten Jahre. Ein hoher Spreiz zwischen Brutto- und Nettobeitrag schafft zusätzlichen Kostendruck, da die Provision üblicherweise am Bruttobeitrag bemessen wird. Einige Versicherer, die in der Vergangenheit mit besonders günstigen Nettoprämien geworben haben, drehen früher oder später an der Beitragsschraube. Das LVRG beschert zusätzlichen Druck. Statt vormals 75 Prozent, müssen die Unternehmen jetzt 90 Prozent ihrer Risikogewinne an die Versicherten ausschütten. Was dem Verbraucherschutz dienen sollte, bewirkt in der Praxis eher das Gegenteil. Weniger Gewinnmarge heißt auch geringere Pufferkapazität. Kunden drohen höhere Zahlbeiträge. Seit Jahren wurde die BU gemolken und immer mehr Marge geopfert. Doch irgendwann ist Schluss. 

Arbeitskraftabsicherung: Kein Plan?

Mit den Rezepten der Vergangenheit erreicht die Branche nicht mehr als den Status quo: eine grottenschlechte Reichweite beim AKS-Schutz. Vermeintlich neue Rezepte erweisen sich allzu häufig als Mogelpackung; auch sie setzen auf Preiswettbewerb. Dieser kommt seit 2010 meist in Gestalt einer immer feineren Berufsdifferenzierung daher. Alternative Produktkonzepte brachten nicht das erhoffte Licht am Ende des Tunnels, sondern, um im Bild zu bleiben, gerade einmal das kurze Aufleuchten einer Taschenlampe. 
Nach dem traurigen Ende der temporären BU und der unter Wert gehandelten EU bleibt als Hoffnungsträger nur die Grundfähigkeitsversicherung. Aber deren Umsätze sind noch immer viel zu niedrig. Zu wenige Anbieter wagen sich an dieses Produkt, Qualitätsstandards fehlen noch. Wenn die BU für immer weniger Verbraucher erreichbar und zudem durch harten Wettbewerb instabil wird, bleibt dann wie in grauer Vorzeit  die Unfallversicherung als einzige Alternative? Dem Kunden wäre damit ein Bärendienst erwiesen. 

Herzliche Grüße,

Michael Franke

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