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Allianz senkt Rentenfaktor in Altersvorsorgeprodukten – eine Einordnung

Die Allianz Lebensversicherung senkt erneut Rentenfaktoren in bestimmten Altersvorsorgeprodukten im Bestand. Hintergrund ist die Absenkung des zugrunde liegenden Rechnungszinses von 1,75 auf 1,25 %. In der Folge fällt der Rentenfaktor um rund 9 % niedriger aus. Das Vertragsguthaben bleibt davon unberührt, jedoch sinkt die ausgezahlte Rentenhöhe.

Welche Tarife sind von der Senkung des Rentenfaktors bei der Allianz betroffen?

Auswirkungen hat die Senkung des garantierten Rentenfaktors für Versicherte der Allianz in „bestimmten kapitalmarktnahen Tarifen“ mit Rentenübergang ab 1. März 2021, bei denen eine sogenannte Treuhänderklausel vereinbart wurde. Danach kann der (mittelbar) garantierte Rentenfaktor abgesenkt werden, wenn ein unabhängiger aktuarieller Treuhänder bestätigt hat, dass die Anpassung sowohl erforderlich als auch angemessen ist. Betroffen sind nach Angaben der Allianz Tarife von 07/2001 bis 06/2013 der Angebote Invest, Invest mit Garantie, Invest alpha-Balance, IndexSelect sowie Index- und Portfolio-Policen.

Der Branchendienst Versicherungswirtschaft heute berichtet aus einem Musterschreiben der Allianz, nachdem der garantierte Rentenfaktor um 9,6 % von 29,63 Euro auf 26,80 Euro gesenkt wurde. Bei einigen der betroffenen Verträge sei es bereits 2017 schon einmal zu Kürzungen gekommen.

Aus Weniger soll Mehr werden

Begründet wird die Senkung des Rechnungszinses damit, dass es für sichere Anlagen mit hoher Bonität kaum noch Zinsen oder sogar Negativzinsen gebe. Dadurch müsste für viele Verträge mit höheren garantierten Rentenfaktoren ein zusätzlicher Teil des Geldes aus chancenreicheren Investments in zinsarme Anlagen fließen. Das sei laut Allianz nicht im Sinne der Kunden. Daher müsse das Unternehmen handeln. Denn Ziel sei es, auch in einer Nullzinsphase Zugang zu einer chancenorientierten Kapitalanlage zu bieten.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Senkung des Rentenfaktors zu einer höheren Chance für die Kapitalanlage führt, dann profitieren von diesem Schritt vor allem Versicherte in Tarifen, die auch ins Sicherungsvermögen investieren. Bei gleichbleibenden erzielten Renditen führt eine Absenkung der Garantie zu einer höheren Überschussbeteiligung, wodurch bei Hybridprodukten wiederum früher Geld in Fonds investiert werden kann. Auch bei Indexprodukten wäre durch eine erhöhte Überschussbeteiligung mehr Spielraum für die Indexpartizipation gegeben. Bei reinen Fondspolicen ergäbe sich erst ein Vorteil, wenn es in der Rentenphase eine Überschussbeteiligung gibt.

Sind weitere Absenkungen des Rentenfaktors bei der Allianz in Sicht?

Sehr wahrscheinlich ja. Altverträge mit aus heutiger Sicht vergleichsweise hohen Garantien belasten die Versicherer aktuell enorm. Der Branchenprimus hat nicht zum ersten Mal die Treuhänderklausel zur Senkung der Garantien herangezogen. Es ist schwer vorstellbar, dass der Rest des Marktes nicht zumindest prüft, ob die Anwendung des §163 VVG zur Sicherung des eigenen Bestandes notwendig wird. Immerhin steht dieser Paragraf genau aus diesem Grund im Gesetz.

Die Allianz geht seit einigen Jahren einen anderen Weg und bietet einen vergleichsweise niedrigen garantierten Rentenfaktor für Neuverträge an. Das Anpassungsrisiko sinkt auf diesem Wege jedenfalls. Aus Sicht des Versicherers entsteht somit mehr Spielraum für die Kapitalanlage. Auf der anderen Seite suchen viele Kunden eben gerade Sicherheit und schätzen höhere Garantien. Diese beiden konkurrierenden Überlegungen sind wohl nur in der Beratung zusammen mit den Kunden zu erörtern.

Nachgefragt: Was sagt die Allianz?

Die Allianz möchte der Skepsis gegenüber den offensichtlich wenig attraktiven garantierten Rentenfaktoren mit Zahlen entgegentreten. So wurde eine Studie beim Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) mit bestimmten vorgegebenen Parametern in Auftrag gegeben, um die Vorteile eines niedrigeren garantierten Rentenfaktors auf die zu erzielende Rentenhöhe zu belegen. Eine Vorab-Zusammenfassung zu dieser Studie liegt uns vor.

Grundlage der Studie ist ein Modell, in dem zwei Versicherer mit unterschiedlich hohen Rentenfaktoren bezüglich ihrer potenziellen Renten- und Ablaufleistung verglichen werden. Dabei wurden Renten gegen Einmalbeitrag und gegen laufende Beiträge untersucht. Der Versicherer mit dem höheren Rentenfaktor muss mehr Kapital in niedrigverzinste Anlagen binden, um die Garantien abzusichern. Entsprechend bekommt der Versicherer mit dem niedrigeren Rentenfaktor eine höhere Quote an chancenreicheren Anlagen im Sicherungsvermögen. Der höhere garantierte Rentenfaktor entspricht dem aktuellen Rentenfaktor; der niedrigere Rentenfaktor entspricht 50 % des aktuellen Rentenfaktors.

Als Resultat ließe sich sowohl für Tarife gegen Einmalbeitrag, als auch für Tarife gegen laufenden Beitrag eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine bessere Rente beim Versicherer mit dem niedrigen garantierten Rentenfaktor feststellen. Die höhere Rente ergäbe sich in 2/3 bis 3/4 der Fälle. Die erwartete Ablaufleistung sei sogar in nahezu allen Szenarien 5 bis 16% höher. Damit stützt die Studie die aktuelle Vorgehensweise der Allianz einen niedrigen garantierten Rentenfaktor zu versprechen. Der genaue Rechnungsweg und die Simulationen zu den Ergebnissen waren nicht in der Zusammenfassung der Studie erklärt, soll aber bei Veröffentlichung der Studie nachgereicht werden.
Sinnvoll wären auch Aussagen über die Auswirkung der Größe des Bestandes an Altverträgen auf den Rentenfaktor. Denn gerade die Altlasten machen den Versicherern gerade zu schaffen.

Wer höhere Garantien als sinnvoll ansieht wird den Studienergebnisse entgegenhalten können, dass man offenbar mit einer (nahezu) vollständigen Reduktion von Garantien am besten fährt. Das wiederum widerspräche dem Versicherungsgedanken. Und bekanntlich kosten Garantien immer Performance.

Fazit – Kein Richtig oder Falsch bei der Höhe des Rentenfaktors

Ein Richtig oder Falsch kann es aus unserer Sicht bei der Höhe des Rentenfaktors nicht geben. Wohl aber Transparenz. Mehr Garantie oder mehr Freiheit in der Kapitalanlage sind unterschiedliche Philosophien, die sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen. Am Ende sollte aber nicht der Versicherungsgedanke auf der Strecke bleiben, denn sonst könnte die Lebensversicherung weiter unter Beschuss kommen.

Wichtig sind daher Transparenz und gute Beratung, damit Verbraucher eine ihrer Risikoneigung entsprechende Entscheidung treffen können. Dabei können unsere Beratungs- und Vergleichslösungen fb>xpert und fb>vertragscheck eine große Hilfe sein.

 

Christian Monke

Christian Monke
Bereichsleiter Analyse
Franke und Bornberg GmbH

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