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Private Krankenversicherung: Keine Explosion der Beiträge

Neues Jahr, neue Dekade, alte Probleme. Schon beinahe routinemäßig wird zu Beginn eines jeden Jahres schweres Geschütz gegen die Anbieter privater Krankenversicherungen aufgefahren. Ging es in früheren Jahren dabei zumeist um  überzogene Anpassungen von Beiträgen, ist es an dieser Front zuletzt relativ ruhig geworden. Vielleicht haben inzwischen auch die letzten chronischen Nörgler verstanden, dass vereinzelte umfangreichere Beitragserhöhungen eher auf den gesetzlich vorgegebenen nachholenden Beitragsanpassungen beruhen und nicht auf der Bösartigkeit oder Gier der Privatversicherer.

Und so waren es dieses Mal nicht die PKV-Beitragserhöhungen selbst, die für Schlagzeilen sorgten, sondern angeblich nicht ordnungsgemäße Begründungen von Beitragserhöhungen. Für Furore sorgte im Februar zudem eine Studie der Bertelsmann Stiftung, in der die Abschaffung des dualen Systems von GKV und PKV gefordert wird.

PKV-Branche mit mangelhafter Transparenz

Die PKV reagiert auf derartiges immer recht ähnlich. Ein bis zwei Versicherer melden sich zu Wort, ansonsten kümmert sich der Verband um eine Stellungnahme. In diesem Zusammenhang wird gern von Generationengerechtigkeit berichtet und dass die 8,7 Mio. € privat Versicherten bereits 275 Mrd. € Alterungsrückstellungen angespart haben. 275 Mrd. € klingt natürlich beeindruckend. Wohlwissend, dass die Berechnung nicht zutreffend ist, sind das gerade mal 31.609 € pro Versicherten. Also gar nicht mal so viel, um die Beiträge auch im Alter bei i.d.R. steigenden Leistungsausgaben dauerhaft bezahlbar zu halten. Der Vorteil der kapitalgedeckten Vorsorge steht dabei völlig außer Frage. Aber darum geht es nicht. Als wenig vertrauensbildend wirkt vielmehr die mangelhafte Transparenzbereitschaft der Branche.   

Blackbox Versicherung

Die Gesellschaften ärgern sich, oft zu Recht, über die teils zumindest fragwürdige Berichterstattung. Allerdings spielt die Branche selbst nicht unbedingt mit offenen Karten. Zum Beispiel bei der Darstellung des eigenen Unternehmens. Wer gegenüber der Öffentlichkeit Rechnung legen will, um Vertrauen zu gewinnen und eine objektive Berichterstattung zu ermöglichen, der sollte zeitnah über Erfolge und Misserfolge berichten.

Das erfolgt aber nur bedingt. Und auch bei der Teilnahmebereitschaft an Ratings und anderen Vergleichen sieht es nicht besser aus. Das gilt nicht nur für die PKV, sondern für alle Sparten. Und es gilt nicht nur für den map-report. Auch andere „Tester“ haben mit diesen Problemen zu kämpfen.

Mit  mehr Transparenz wären besseres Image und höheres Vertrauen möglich

Über die Gründe dieser zunehmenden unternehmensseitigen Verweigerungshaltung lässt sich lang und breit spekulieren. Sie führt allerdings dazu, dass Marktdurchschnittswerte zu hoch ausfallen und die verbleibenden Gesellschaften mitunter schlechter dastehen, als bei einem vollständigen Vergleich mit allen Marktteilnehmern.  Die Versicherungsbranche sollte eigentlich für Vertrauen stehen. Transparenz wäre ein guter Anfang, um eine ausgewogenen Berichterstattung zu ermöglichen und gleichzeitig das eigene Image durch Vertrauensbildung aufzupolieren. Aber dafür laufen die Geschäfte bisher wohl doch noch zu gut.

Auslösende Faktoren der Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung

Bei der Beitragsberechnung konnten die Versicherer über Jahrzehnte einen Höchstrechnungszins von 3,50 % zu Grunde legen. Durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Erträge heute bei jeder neuen Geldanlage deutlich geringer. Die Versicherten müssen diesen Umstand durch mehr Eigenvorsorge ausgleichen, das heißt ihre Beiträge steigen.
Auch die Entwicklung neuer Medikamente und Behandlungsmethoden hat ihren Preis. Das schlägt sich nicht nur in den GKV-Beiträgen nieder. Auch in der PKV steigen die Ausgaben. Doch erst wenn die Kosten um mehr als zehn Prozent (teilweise auch fünf Prozent) von der Kalkulation abweichen, dürfen die Beiträge angepasst werden. So kommt es immer wieder vor, dass der Beitrag jahrelang stabil bleibt, dann aber sprunghaft steigt. Durch dieses Prinzip der nachholenden Beitragsanpassung kann auf mehrere Jahre Beitragsstabilität unvermittelt ein abrupter Anstieg folgen. Dieser fällt besonders stark aus, wenn infolge der Niedrigzinsphase zusätzlich noch der Rechnungszins gesenkt werden muss.

Rating untersucht Entwicklung der PKV-Beiträge

Ein besonderer Aspekt unseres Ratings sind die Entwicklungen der Bestandsbeiträge. Die PKV-Gegner arbeiten gern mit dem Argument, dass Versicherte bei Abschluss einer privaten Krankenversicherung Gefahr laufen, mit ständigen überzogenen Beitragsanpassungen konfrontiert zu werden. Seit dem Jahr 2000 weisen wir zumindest für die Ratingteilnehmer nach, dass die Bestands-Beitragsentwicklungen der PKV mit der GKV mehr als nur konkurrenzfähig bleiben.

Die zwölf Teilnehmer im PKV-Rating erhöhten zum Jahresanfang 2020 die Beiträge in einer ähnlichen Größenordnung wie im Vorjahr. Im untersuchten Zeitraum der Jahre 2000 bis 2020 lag die durchschnittliche Beitragserhöhung in der Beispielrechnung des Angestellten im Branchenschnitt bei 3,76 %. Zum Jahresbeginn 2020 wurde der Beitrag durchschnittlich um 3,21 Prozent erhöht (Vorjahr: 2,87 %). Vier Versicherer nahmen keine Anpassungen vor und hielten die Beiträge auf dem Vorjahresniveau.

Bei den weiteren Teilnehmern schwankten die Erhöhungen zwischen 2,20 und 12,40 %. Aber wie bereits erwähnt ist es nicht ungewöhnlich, dass die Beiträge nach mehreren Jahren relativer Stabilität auch einmal etwas deutlicher erhöht werden. Erfahrungsgemäß relativeren sich die umfangreichere Beitragserhöhungen aber recht schnell, weil die Beiträge in den folgenden Jahren oftmals nicht oder nur geringfügig angepasst werden.

In der Beitragsrechnung des Bundesbeamten für den Zeitraum von 2000 bis 2020 stiegen die Bestandsbeiträge um durchschnittlich 2,94 %. Zum Jahresanfang 2020 wurde der Beitrag durchschnittlich um 3,85 % erhöht (Vorjahr: 2,14 %). Während zwei Versicherer die Beiträge leicht senkten, nahmen die die übrigen Teilnehmer Erhöhungen von 0,20 bis 12,20 % vor. Bei den Beihilfetarifen entsprechen diese prozentualen Erhöhungen für die Musterfamilie einem Beitragszuschlag zwischen 70 Cent und 21 Euro. 

Stationäre Zusatzversicherung: Beiträge von 2000 bis 2020 halten sich etwa in Waage

Über den Vergleichszeitraum der Jahre von 2000 bis 2020 halten sich in der stationären Zusatzversicherung Beitragserhöhungen und -senkungen in etwa in Waage. In dieser Beispielrechnung wurden die Beiträge in den vergangenen 20 Jahren durchschnittlich um 0,30 % erhöht. Zum Jahresauftakt 2020 gab es mit durchschnittlich 1,60 % (Vorjahr: 3,24 %) wiederum nur geringfügige Anpassungen.

Die Untersuchung der Beitragsentwicklungen beinhaltet zudem ein Fallbeispiel für Senioren. Der Modell-Vertrag wurde im Jahr 1982 abgeschlossen. Anfang des Jahres 2020 sind die Beispielkunden bereits 78 und 76 Jahre alt. Für diese Versicherten entfaltet die Verwendung der Alterungsrückstellung nach § 150 VAG ihre Wirkung. Im beobachteten Zeitraum der Jahre 2000 bis 2020 lag die durchschnittliche Beitragserhöhung in der Beispielrechnung des im Ruhestand befindlichen ehemaligen Angestellten im Branchenschnitt wie im Vorjahr bei 2,3 Prozent. Das sind 1,4 Prozentpunkte weniger als bei den Vergleichstarifen. Zum Jahresbeginn 2020 wurde der Beitrag durchschnittlich um 1,7 Prozent erhöht (Vorjahr: 3,4 Prozent).

Corona: Noch kein Grund zur Panik bei Beiträgen in der privaten Krankenversicherung

Zum momentanen Top-Thema „Coronavirus“ müssen sich die Versicherten zumindest in finanzieller Hinsicht nach jetzigem Informationsstand nicht allzu sehr sorgen.  Zwar steigt die Zahl der an „COVID-19“ Erkrankten in Deutschland täglich und das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland Stand Mitte März als „hoch" ein. Doch für unvorhersehbare Ereignisse wie die derzeitige Corona-Pandemie ist in der PKV-Kalkulation ein Sicherheitszuschlag von mindestens 5 % vorhanden, der nicht bereits in anderen Rechnungsgrundlagen enthalten sein darf. Und auch im Rahmen der Solvency II-Berichterstattung wird in verschiedenen Stresstests die finanzielle Risikotragfähigkeit infolge schwerer Pandemien einkalkuliert.

Nach Aussage des PKV-Verbands wirken sich solche Epidemien nach den bisherigen Erfahrungen, etwa mit der Vogelgrippe oder mit SARS, aber auch mit großen und schweren Grippewellen früherer Jahre, kaum auf die Beiträge in der Privaten Krankenversicherung aus. Bisher gibt es beinahe täglich neue und gleichzeitig wenig positive Erkenntnisse zur aktuellen Pandemie. Umso wichtiger ist es, aus seriösen Quellen auf dem aktuellen Stand der Dinge zu bleiben. Aktuelle Informationen für Privatversicherte gibt es beispielsweise vom Verband der Privaten Krankenversicherung e.V..

 

Der map-report „Rating Private Krankenversicherung“ ist ab sofort als map-report 914 im PDF-Format lieferbar. Interessenten wenden sich an serviceatfb-research [dood] de oder bestellen direkt über unsere Website. Eine kostenlose Basisinformation liefert Franke und Bornberg auf der Rating-Seite "map-report".
 

Reinhard Klages

Reinhard Klages, map-report
Analyse
map-report

Kommentare

Hallo,
zuerst beste Grüße aus Österreich. Ich finde es sehr spannend Österreich und Deutschland in der privaten KV zu vergleichen. Die Systeme sind so unterschiedlich und das Thema Beitragsstabilität ist in Österreich quasi inexistent. Spannend sind auch unsere Gespräch mit Interessenten kommend aus Deutschland, wo man zuerst auf das System der Zusatzversicherung in Österreich eingehen muss. Danke für die Klarheit, wie das System der Beiträge funktioniert.
lg Sebastian

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