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Einsteigertarife – Geeignete Berufsunfähigkeitsversicherung für junge Leute?

Zahlreiche Versicherer bieten sogenannte Einsteigertarife bzw. Startertarife an, um so auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung für junge Leute mit kleinem Budget, wie z.B. Studenten oder Auszubildende, zu ermöglichen.

Diese Tarife zeichnen sich in erster Linie durch niedrige Beiträge in der Startphase und steigende Beiträge im Laufe der Vertragsdauer aus. Versicherte können so bereits in jungen Jahren in den Genuss einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) kommen. Doch ist dies die geeignete Berufsunfähigkeitsversicherung für junge Leute?

Unterschiedliche Starter-Modelle

Es bestehen grundsätzlich drei Möglichkeiten, wie ein Startertarif gestaltet sein kann:

1. Einjährig kalkulierte Tarife

Der Beitrag wird dem Risiko entsprechend kalkuliert. Es findet eine jährliche Beitragsanpassung statt. Die Beiträge sind dementsprechend in jungen Jahren sehr niedrig und im Alter relativ hoch.

2. Stufentarife

Hierbei bleiben die Beiträge über mehreren Perioden konstant. Zum Startzeitpunkt ist eine Phase von fünf bis zwölf Jahren üblich. Die Anzahl der Stufen kann variieren.

3. Verkürzte Vertragsdauer

Die Starterverträge laufen hierbei nur einen begrenzten Zeitraum. Im Anschluss kann dann ein Folgevertrag abgeschlossen werden, für den keine Gesundheitsprüfung mehr nötig ist. Weitere Risikomerkmale wie z.B. die Ausgestaltung der beruflichen Tätigkeit werden jedoch in der Regel erneut geprüft.

Gesamtbeiträge im Vergleich

Die Annahme liegt nahe, dass Starterprodukte (über die gesamte Laufzeit gesehen) teurer sind als die herkömmliche BU-Policen, da der Versicherer das Risiko eingeht, dass der Versicherte bereits in jungen Jahren, in denen er zudem einen geringen Beitrag zahlt, berufsunfähig wird. Dieses Risiko soll durch die anschließend höheren Prämien aufgefangen werden.

Die niedrigeren Anfangsbeiträge muss sich der Versicherte also mit höheren Beiträgen nach Ende der Startphase „erkaufen“. Es stellt sich die Frage, wie hoch die Differenz der während der Laufzeit gezahlten Beitragssummen zwischen Startermodell und Normalversion ausfallen kann.

Um dies zu untersuchen haben wir einen 23jährigen Studenten der Rechtswissenschaft betrachtet, welcher eine BU-Rente von monatlich 1.000 € bis zum Endalter 67 vereinbart hat. Für diesen Musterfall wurden anhand von drei Angeboten unterschiedlicher Versicherer und Startermodelle die Gesamtbeiträge ermittelt und diese mit den Beiträgen für eine herkömmliche BU verglichen.

• Angebot 1: Startertarif mit einer Beitragsstufe

Bei dieser Variante mit einer Beitragsstufe liegt der Startertarif mit 30,51 € brutto (22,88 € netto) in den ersten fünf Jahren unter dem Anfangsbeitrag der konventionellen BU von 47,41 € (35,56 €). Nach fünf Jahren steigt der Beitrag beim Starterprodukt dann auf 50,84 € brutto (38,13 € netto), welcher bis zum Endalter gleich hoch bleibt.

Auf die Gesamtbeiträge bezogen ergibt sich folgendes Bild: Beim konventionellen Produkt beträgt der Gesamtbeitrag 25.032,48 € brutto (18.775,68 € netto), während er beim Starterprodukt bei 25.623,72 € (19.217,64 €) liegt.

Der Unterschied zwischen beiden Tarifen fällt mit ca. 600 € (brutto) noch moderat aus.

• Angebot 2: Startertarif mit zwei Beitragsstufen

Bei diesem Angebot gibt es mehrere Optionen. Zum einen kann man die Anzahl der Intervalle bestimmen (bis zu 3), zum anderen sind auch die Intervalldauern, innerhalb eines vorgegebenen Rahmens, frei wählbar.

In unserem Beispiel haben wir uns für einen Tarif mit zwei Stufen entschieden. Mit 18,42 € brutto (9,76 € netto) liegt der Anfangsbeitrag weit unter den 58,53 € (31,02 €) der konventionellen BU. Nach fünf Jahren steigt der Beitrag beim Starterprodukt dann auf 26,20 € brutto (13,89 € netto) und nach weiteren zehn Jahren erhöht sich der Beitrag auf 83,31 € brutto (44,16 € netto) und liegt damit deutlich über dem des herkömmlichen Tarifs.

Auf die Gesamtbeiträge bezogen ergibt sich folgendes Bild: Beim konventionellen Produkt beträgt der Gesamtbeitrag 30.903,84 € brutto (16.378,56 € netto), während er beim Starterprodukt bei 33.241,08 € (17.620,08 €) liegt.

Der Unterschied zwischen beiden Tarifen beträgt ca. 2.300 € (brutto).

• Angebot 3: Startertarif mit einjähriger Kalkulation

Hierbei handelt es sich um einen Startertarif, bei dem jährlich risikogerecht kalkuliert worden ist. Im Unterschied zum konventionellen BU-Produkt, welches einen konstanten Bruttobeitrag von 51,29 € (41,03 € netto) aufweist, beginnt die Starter-Version bei 17,55 € brutto (14,04 € netto). Sie steigt auf bis zu 162,10 € (129,68 €) im 38. Versicherungsjahr und fällt dann kurz vor Erreichen des Endalters auf 32,50 € brutto (26,00 € netto).

Auf die Gesamtbeiträge bezogen ergibt sich folgendes Bild: Beim konventionellen Produkt beträgt der Gesamtbeitrag 27.081,12 € brutto (21.663,84 € netto), während er beim Starterprodukt bei 36.842,52 € (29.474,04 €) liegt.

Der Unterschied zwischen beiden Tarifen beträgt ca. 9.800 € (brutto). Der Starter ist damit um ca. 35% teurer als der herkömmliche Tarif.

An dieser Stelle muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass es sich um einen einjährigen kalkulierten Tarif mit Wechseloption handelt. Bei diesem ist ein Wechsel in den Standardtarif jederzeit und ohne Gesundheitsprüfung möglich.

Pro und Contra – Ist ein Einsteigertarif die passende Berufsunfähigkeitsversicherung für junge Leute?

Gerade in der beruflichen Startphase eines jungen Menschen wird der Abschluss einer BU keinen vorderen Rang auf der Prioritätenliste einnehmen. Der wesentliche Grund hierfür dürften die nur beschränkten finanziellen Mittel sein. Für einen jungen Menschen kann daher eine BU an Attraktivität gewinnen, wenn sie keinen zu hohen finanziellen Aufwand darstellt. Die niedrigen Anfangstarife der Starter Produkte stellen hierbei einen besonderen Anreiz für junge Leute dar, ihre Arbeitskraft bereits früh abzusichern.

Den niedrigen Anfangsbeiträgen können jedoch je nach Angebot deutlich höhere Beiträge in der Zukunft gegenüberstehen. Der Kunde muss sich dieser Entwicklung bewusst sein bzw. in der Beratung darauf hingewiesen werden. So könnten Menschen mit gutem Gesundheitszustand und zusätzlich vielleicht noch gutem beruflichen Risiko von einem Startertarif in einen neuen Vertrag mit niedrigeren Beitragszahlungen wechseln. Für Personen, deren berufliche Entwicklung nicht in die gewünschte Richtung läuft oder deren Gesundheitszustand sich verschlechtert, ist dies nicht möglich.

Modelle mit sehr deutlichen Beitragssprüngen könnten somit auch anfälliger für Antiselektionseffekte im Versichertenbestand sein, fördern sie doch die Wechseltendenzen junger, gesunder Versicherter zu den Erhöhungszeitpunkten.

Fazit

Bei Abschluss eines Vertrages muss sich der Versicherte darüber im Klaren sein, dass den günstigen Anfangsbeiträgen höhere Prämien in späteren Jahren folgen werden. Junge Menschen sollten sich daher diesbezüglich von Experten beraten lassen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Eine Gegenüberstellung von Starter-Version und konventioneller Variante des BU-Produkts über die gesamte Vertragslaufzeit kann zur Entscheidungsfindung darüber, ob der Tarif eine geeignete Berufsunfähigkeitsversicherung für junge Leute darstellt, beitragen.

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