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Zwischen Gesundheitsförderung und Gender Pay Gap: Wie viel Nachhaltigkeit steckt in der Arbeitgeberverantwortung der Versicherungsbranche?

Arbeitgeberverantwortung ist Teil nachhaltiger Unternehmensführung

Nachhaltigkeit in der Versicherung zeigt sich nicht nur im Umgang mit Kapital oder Ressourcen, sondern auch darin, wie Versicherer ihre Rolle als Arbeitgeber wahrnehmen, also in der Arbeitgeberverantwortung. Qualifizierung, Gleichstellung, Gesundheit und Arbeitsbedingungen sind keine rein personalpolitischen Themen – sie sind Teil einer verantwortungsvollen, langfristig tragfähigen Unternehmensführung.

Gleichstellung und Teilhabe: Fortschritte und offene Fragen

Der aktuelle Nachhaltigkeits-Report von Franke und Bornberg untersucht 48 Versicherungskonzerne, die zusammen 214 deutsche Erstversicherer repräsentieren. Datengrundlage sind öffentlich verfügbare Nachhaltigkeitsberichte, CSRD-Berichte und nichtfinanzielle Erklärungen. Neben Fortschritten in einzelnen Bereichen zeigen die Daten auch bestehende Lücken in der Verantwortung der Arbeitgeber.

Ein zentrales Thema ist die Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen. Der Frauenanteil im Aufsichtsrat liegt durchschnittlich bei 28 Prozent und damit knapp unter der gesetzlichen Zielgröße von 30 Prozent. Im Vorstand sind Frauen mit nur knapp 20 Prozent vertreten. Das hat Folgen: Eine geringe Frauenquote in Führungspositionen wirkt sich auf das durchschnittliche Verdienstniveau von Frauen aus – und damit auf den Gender Pay Gap. 

Dieser gibt die prozentuale Differenz im durchschnittlichen Verdienst von Frauen und Männern wieder, unbereinigt und unabhängig von Alter, Betriebszugehörigkeit oder Verantwortungsbereich. Im Branchenschnitt liegt er bei 20 Prozent – und damit über dem deutschen Durchschnitt von 16 Prozent. Allerdings greift eine isolierte Betrachtung dieser Kennzahl zu kurz: Faktoren wie Elternzeit oder die Verteilung auf Berufsfelder und Hierarchieebenen sowie unterschiedliche Karrierewege spielen ebenfalls eine Rolle. Umgekehrt zeigen Studien, dass Auswahlprozesse für Führungspositionen oft von homogenen Rekrutierungsmustern geprägt sind, die qualifizierte Kandidatinnen strukturell benachteiligen können. Die Ursachen für die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen sind also vielschichtig – sie liegen sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite. 

Auch bei der Teilhabe von Menschen mit Behinderung zeigt sich ein gemischtes Bild. Nur 27 Prozent der untersuchten Versicherer machen Angaben zu ihrer Schwerbehindertenquote. Von diesen erfüllen nur sieben die gesetzliche Vorgabe von fünf Prozent, der Mittelwert liegt bei 4 Prozent. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine niedrige Quote nicht zwangsläufig auf mangelnde Bereitschaft schließen lässt: Einige Unternehmen berichten, trotz aktiver Bemühungen nicht genügend geeignete Bewerbungen zu erhalten. Zudem legen nicht alle Beschäftigten eine bestehende Schwerbehinderung offen. Die geringe Berichtsquote erschwert eine belastbare Branchenaussage – und zeigt, dass bei Transparenz und Nachvollziehbarkeit noch Handlungsbedarf besteht.

Welche Maßnahmen gehören zu einer nachhaltigen Arbeitgeberverantwortung?

Eine verantwortungsvolle Rolle als Arbeitgeber entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen. Sie erfordert einen systematischen Blick auf Entwicklungschancen, Gesundheit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. 

  • Etwa drei Viertel der untersuchten Versicherer berichten über Strategien für Diversität und Inklusion – etwa über Netzwerke zu LGBTQIA+, ethnischer und kultureller Integration oder Generationengleichberechtigung. 
  • Mehr als die Hälfte der Versicherer bietet zudem spezielle Förderprogramme für Frauen an, etwa Seminare, Coachings oder Entwicklungsprogramme für Führungspositionen.
  • Auch bei Gesundheit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind in vielen Häusern Maßnahmen etabliert. Alle untersuchten Versicherer berichten über mindestens eine Maßnahme zur Gesundheitsförderung, die über die gesetzlichen Anforderungen – etwa die Gefährdungsbeurteilung, den betrieblichen Arbeitsschutz oder die betriebsärztliche Betreuung – hinausgeht. 
  • Etwas mehr als 60 Prozent unterstützen ihre Beschäftigten auch bei der Pflege von Angehörigen. 
  • Über zusätzliche Kinderbetreuungsangebote berichten 65 Prozent, über Ferienbetreuung 27 Prozent.

Arbeitgeberverantwortung ist bei vielen Versicherern also bereits über konkrete Angebote und Programme verankert.

Wie verbinden Versicherer Nachhaltigkeit und Arbeitgeberverantwortung?

Ein zentraler Aspekt von Arbeitgeberverantwortung ist auch, wie die Versicherer ihre Belegschaft in die Transformation einbinden. Denn Nachhaltigkeit bleibt abstrakt, wenn sie nicht im Arbeitsalltag verankert und von Führungskräften wie Beschäftigten gleichermaßen getragen wird.

  • Die Auswertungen unseres Nachhaltigkeits-Reports zeigen, dass 54 Prozent der untersuchten Versicherer die Nachhaltigkeitskompetenz ihrer Beschäftigten gezielt durch Schulungen, Sensibilisierungskampagnen oder interne Netzwerke fördern. 
  • 48 Prozent bieten spezifische Weiterbildungsprogramme für den Vertrieb an – ein wichtiger Hebel, denn nur ein entsprechend geschulter Vertrieb kann nachhaltige Versicherungslösungen aufzeigen und Kunden dafür sensibilisieren. 
  • Bei 44 Prozent der Versicherer ist zudem die Vergütung von Führungskräften an Nachhaltigkeitsziele gekoppelt. 

Das zeigt: Nachhaltigkeit wird in vielen Häusern nicht nur formuliert, sondern zunehmend über Qualifizierung und Führung verankert.

Versicherer als nachhaltige Arbeitgeber – es bleibt viel zu tun

Arbeitgeberverantwortung ist kein Randthema nachhaltiger Unternehmensführung – sie zeigt, wie Verantwortung im Unternehmen konkret umgesetzt wird. In Bereichen wie Weiterbildung, Nachhaltigkeitskompetenz und der Verankerung von Nachhaltigkeitszielen in der Führungsvergütung macht die Branche Fortschritte. Gleichzeitig bleiben bei Gleichstellung, Teilhabe und Transparenz wichtige Aufgaben bestehen – wobei die Ursachen für bestehende Lücken vielschichtig sind und nicht allein in der Verantwortung der Unternehmen liegen. Gerade die Fähigkeit, solche Spannungsfelder ehrlich zu benennen und differenziert zu bearbeiten, wird zeigen, wie tragfähig und glaubwürdig nachhaltige Unternehmensführung in der Versicherung tatsächlich ist.

Weitere Details zum Thema Arbeitgeberverantwortung finden Sie in unserem Nachhaltigkeits-Report sowie in den Factsheets zum Nachhaltigkeits-Score.

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