Nachhaltigkeit im Gebäudebestand: Wie hitzefest sind Versicherer?
Gebäude und Immobilien werden in der Nachhaltigkeitsdebatte vor allem unter Effizienzgesichtspunkten betrachtet: Energieverbrauch, Sanierung, Flächennutzung oder Ressourcenverbrauch. Mit zunehmender Städteerwärmung reicht dieser Blick jedoch nicht mehr aus.
Für Versicherer liegt der Hebel dabei an zwei Stellen: an den eigenen Standorten sowie in den fremdgenutzten Immobilienportfolios ihrer Kapitalanlage. An beiden Stellen können sie direkt beeinflussen, wie hitzeanfällig Gebäude und Außenflächen sind, wie stark sich Standorte aufheizen und welche Maßnahmen zur Anpassung an ein wärmeres Stadtklima umgesetzt werden.
Unser aktueller Nachhaltigkeits-Report untersucht 48 Versicherungskonzerne, die zusammen 214 deutsche Erstversicherer repräsentieren – auch mit Blick auf dieses Thema. Datengrundlage sind öffentlich verfügbare Nachhaltigkeitsberichte, Berichte nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und nichtfinanzielle Erklärungen.
Städteerwärmung erhöht den Handlungsdruck zu mehr Nachhaltigkeit bei Gebäuden
Wie konkret dieser Handlungsdruck ist, untermauert eine Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt von mehr als 70 deutschen Großstädten. Auf Basis von Satellitendaten der Sommermonate 2013 bis 2024 zeigt sie: Versiegelte und dicht bebaute Stadtlagen sind besonders stark von Hitze betroffen. Hitze-Inseln lassen sich dabei eindeutig identifizieren: Zwischen Innenstadtgebieten und ländlichen Räumen können die Oberflächentemperaturen teilweise um acht bis zehn Grad auseinanderliegen. Oberflächen- und Lufttemperatur stehen in direktem Zusammenhang – die Auswertungen liefern daher eine belastbare Grundlage für gezielte Maßnahmen gegen Hitze in Städten.
Wie können Versicherer an eigenen Gebäuden für mehr Nachhaltigkeit sorgen?
Gerade an ihren eigenen Gebäuden, die häufig in dicht bebauten Stadtgebieten stehen, können Versicherer zeigen, wie sie vor Ort Einfluss nehmen. Grüne und blaue Infrastruktur kann helfen, Hitze zu mindern und das Mikroklima zu verbessern. Dazu gehören etwa Bäume, Grünflächen, begrünte Dächer und Fassaden sowie Wasserflächen, die die Umgebung abkühlen.
Auch Mini-Wälder nach dem Miyawaki-Prinzip sind eine wirksame Option: Auf kleinstem Raum bepflanzt, benötigen sie kaum mehr Fläche als eine herkömmliche Begrünung und können das Mikroklima spürbar verbessern.
Welche Maßnahmen ergreifen Versicherer schon?
Konkrete Maßnahmen gegen Hitzebelastung an eigenen Standorten sind noch selten – bislang berichten nur wenige Versicherer darüber.
- Nur 13 Prozent setzen bereits auf Dach- und Fassadenbegrünung oder wassersensible Elemente wie Sickerfugen (Franke und Bornberg, Nachhaltigkeits-Report 2026).
- 10 Prozent nutzen bereits Regenwasser (Franke und Bornberg, Nachhaltigkeits-Report 2026).
- Weitere Ansätze wären etwa Entsiegelungsmaßnahmen auf Parkplätzen und Innenhöfen oder begrünte Außenbereiche zur Beschattung.
Solche Maßnahmen können nicht nur zur Kühlung beitragen, sondern zugleich die Biodiversität fördern und die Aufenthaltsqualität für Beschäftigte und Anwohnende spürbar verbessern. Dass bislang nur vereinzelt Beispiele sichtbar werden, zeigt: bei Transparenz und Engagement gibt es Nachholbedarf.
Im Immobilienportfolio der Kapitalanlage liegt ein zweiter Hebel für Versicherer
Viele Versicherer halten zusätzlich zu ihren eigenen Bürogebäuden ein breites, meist fremdgenutztes Immobilienportfolio im Rahmen ihrer Kapitalanlage. Darin liegt ein zusätzlicher Hebel. Anders als an den eigenen Standorten geht es hier nicht um einzelne Gebäude, sondern um Wirkung in der Breite. 44 Prozent der untersuchten Versicherer setzen in der Verwaltung dieses Portfolios bereits Maßnahmen um (Franke und Bornberg, Nachhaltigkeits-Report 2026).
Im Mittelpunkt stehen derzeit jedoch energetische Sanierungen, etwa Wärmedämmung oder die Erneuerung von Heizsystemen, häufig ergänzt durch den Bezug erneuerbarer Energien. Einzelne Versicherer arbeiten zudem mit Green-Lease-Verträgen oder nachhaltigen Bauvorgaben. Die Maßnahmen im Immobilienportfolio zielen bislang vor allem auf Energieeffizienz ab – Resilienz und Klimaanpassung bleiben seltener adressiert. Mit Blick auf die zunehmende Städteerwärmung sind Versicherer stärker gefordert, Klimaanpassung auch im Immobilienportfolio aktiv zu steuern.
Nachhaltigkeit im Gebäudebestand wird wichtiger
Städteerwärmung macht das Gebäudethema für Versicherer dringlicher. Der Hebel liegt dabei nicht nur an den eigenen Standorten, sondern auch im fremdgenutzten Immobilienportfolio der Kapitalanlage. Erste Maßnahmen sind erkennbar – bei Begrünung, wassersensibler Flächengestaltung, energetischer Sanierung und nachhaltigen Vorgaben im Portfolio. Gerade an eigenen Standorten können solche Maßnahmen nicht nur Hitzebelastung mindern, sondern zugleich die Biodiversität fördern – mit vielseitig positiver Wirkung. Gleichzeitig bleibt für die Versicherer Handlungsbedarf, Hitzebelastung und Klimaanpassung systematischer in ihr Gebäudemanagement einzubeziehen.
Weitere Details zum Thema Gebäudemanagement finden Sie in unserem Nachhaltigkeits-Report sowie in den Factsheets zum Nachhaltigkeits-Score.