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Lebensversicherung: Versicherer verlieren über 1,2 Millionen Verträge

Der Schwund beschleunigt sich: 2024 verloren die Lebensversicherer über 1,2 Millionen Verträge. Das Neugeschäft reicht nicht, um den Abgang zu kompensieren – und die Aussichten bleiben herausfordernd.

Bestandsrückgang beschleunigt sich weiter

Der Lebensversicherungsmarkt schrumpft – und der Schwund nimmt Fahrt auf. Das Jahr 2024 machte da keine Ausnahme, das zeigt der aktuelle map-report zur Lebensversicherung aus unserem Hause deutlich. Das Neugeschäft blieb verhalten, was sich unübersehbar in der Bestandsentwicklung niederschlägt. Die Beitragseinnahmen steigen zwar, doch die Vertragsanzahl schrumpft weiter – und das Tempo steigt: Über 1,2 Millionen Policen weniger standen am Jahresende 2024 im Vergleich zum Vorjahr in den Büchern. Damit rutscht die Anzahl unter die Marke von 80 Millionen und liegt nun bei 79,1 Millionen Verträgen.

Rentenversicherungen verlieren weiter an Boden

Die Rentenversicherung ist für viele Versicherer das zentrale Standbein – und zeigt, wie es um die private Altersvorsorge in Deutschland steht. Grund genug für einen genaueren Blick.

Knapp 30 Prozent der Hauptversicherungen entfallen auf Rentenversicherungen – 2024 waren es exakt 29,6 Prozent. Der Anteil blieb stabil, doch in absoluten Zahlen setzt sich der Schwund fort.

Zum Jahresultimo 2024 sank die Anzahl der Bestandspolicen im Vergleich zum Vorjahr um 381.495 auf 23,40 Millionen. Das entspricht einem Minus von 1,6 Prozent. Immerhin: 21 Anbieter wuchsen gegen den Trend. An der Spitze stehen die Signal Iduna AG, die allein über 16.000 Verträge zulegt, und die Ergo Vorsorge – die beiden relativ neuen Lebensversicherer der jeweiligen Konzerne, die dort das Neugeschäft bündeln. Gefolgt von der Baloise. Dies verdeutlicht, dass trotz des allgemeinen Bestandsrückgangs im Markt weiterhin gezielte Wachstumschancen bestehen.

Allianz bleibt unangetastet an der Spitze

Die Allianz bleibt unangefochtener Marktführer: 5,11 Millionen Rentenpolicen, fast 22 Prozent des Marktes. Auch die Allianz verlor knapp 30.000 Verträge – die Marktführerschaft bleibt dennoch unangetastet.

Auf den folgenden Plätzen liegen die R+V und die Debeka mit jeweils knapp 1,5 Millionen Rentenpolicen. Beide Anbieter verzeichneten 2024 mit 4,3 Prozent beziehungsweise 3,4 Prozent einen höheren Bestandsabrieb als die Allianz. Prozentual am stärksten verloren haben Targo, Cosmos und Entis – alle drei mit rund acht Prozent.

Was schafft Stabilität, was bereitet Sorgen?

Was bringt 2025 und 2026? Ein Ausblick.

Noch ist offen, welche positiven Effekte der zum 01.01.2025 auf 1,0 Prozent angehobene Höchstrechnungszins tatsächlich mit sich bringt, zumal die Konjunkturlage weiterhin angespannt bleibt. Erstaunlich: Das Stornierungsverhalten bleibt stabil. Es lassen sich bislang keine auffälligen Entwicklungen erkennen, die den Bestandsabbau weiter beschleunigen.

Gleichzeitig zeichnen sich deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen ab: Jüngere Verbraucher meiden zunehmend Altersvorsorgelösungen in Form einer Rentenversicherung und setzen stattdessen auf ETFs – oft einfach über Online-Broker per App.

Zudem werden erst die kommenden Jahre zeigen, wie sich strukturelle Veränderungen auf den Markt auswirken: Besonders die nun vorgestellte und vom Bundeskabinett beschlossene Reform der geförderten privaten Altersvorsorge könnte Fondslösungen ohne lebenslange Verrentungspflicht begünstigen – auf Kosten der Rentenversicherungen.

Fazit

Der Druck auf den Rentenversicherungsmarkt wächst. Der Bestandsrückgang von 1,6 Prozent zeigt: Die meisten Anbieter können den Schwund nicht durch Neugeschäft ausgleichen. Einzelne Gesellschaften wachsen gezielt, doch am Gesamttrend ändert das nichts. Höchstrechnungszins, Kundenerwartungen, Altersvorsorge-Reform: Die Branche muss sich anpassen – oder weiter schrumpfen.

Zum Hintergrund

Der „map-report 941", Jahrgang 2025, erschienen im Oktober 2025, zeigt die wichtigsten Daten von 78 Lebensversicherern zum Neugeschäft, Bestand sowie zur Kosten- und Ertragslage. Eine ausführliche Kennzahlenanalyse beleuchtet die Gewinner und Verlierer des Geschäftsjahres 2024.

Eine der aufgezeigten Kennzahlen ist die Bestandsentwicklung, die in diesem Blogbeitrag beschrieben wurde. Im „Gesamt-Bilanzrating deutscher Lebensversicherer" wurden die LV 1871, uniVersa, Europa, Ergo Vorsorge, Hannoversche und Allianz für hervorragende Leistungen ausgezeichnet. Weitere Informationen dazu gibt es hier: map-report Nr. 941: Stärker trotz Gegenwind -- wer im Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2024 überzeugt

Der map-report kann im PDF-Format kostenpflichtig bestellt werden. Weitere Informationen finden sich hier: map-report | Franke und Bornberg

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