Neu

Schlagworte

BU-Rating 2026: Stabilität und Nachhaltigkeit werden Bewertungsmaßstab

Franke und Bornberg aktualisiert seine Ratings zur Berufsunfähigkeits- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Erstmals berücksichtigt das Verfahren die Nachhaltigkeit der Unternehmen und gewichtet die Versicherer-Stabilität stärker als bisher. Damit reagiert das Analysehaus nicht auf kurzfristige Trends, sondern auf strukturelle Risiken in einem Markt, in dem Belastbarkeit und Zukunftsfähigkeit zu zentralen Qualitätsmerkmalen werden.

Hannover, der 16.04.2026. 46 Millionen Erwerbstätige stehen einem Bestand von rund sechs Millionen Policen zur Arbeitskraftabsicherung (Selbstständige Invaliditätsversicherungen) gegenüber (Quelle: GDV). Die Absicherungsquote bleibt damit auf einem gesellschaftlich unbefriedigenden Niveau, das Neugeschäft stagniert. Nach Angaben des GDV wurden 2024 in der selbstständigen Invaliditätsversicherung rund 440.000 neue Policen abgeschlossen, der Bestandszuwachs lag jedoch nur bei überschaubaren 188.000 Verträgen. Vor diesem Hintergrund hat Franke und Bornberg seine Ratings zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) und zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) grundlegend überarbeitet. Die aktualisierten Verfahren tragen veränderten Produktstrukturen, dem anhaltenden Preiswettbewerb und neuen gesellschaftlichen Anforderungen Rechnung.

Das ist neu im BU-Rating 2026

Das überarbeitete Ratingverfahren setzt an drei Stellen an:

 

  • Stärkere Gewichtung der Versicherer-Stabilität: Das Ergebnis aus dem map-report BU-Stabilitätsrating (map-report Nr. 943) erhält ein höheres Gewicht im Produktrating. Prämien, Risikoüberschüsse und kalkulatorische Risiken werden damit stärker in die Gesamtbewertung einbezogen.
  • Nachhaltigkeits-Score: Erstmals fließt der von Franke und Bornberg entwickelte Score zur Nachhaltigkeitspositionierung der Anbieter in die Bewertung ein. Der Score bewertet Versicherer anhand von über 250 Einzelkriterien in sechs Fokusthemen – von Ressourcenmanagement über nachhaltiges Investment bis hin zu nachhaltigen Produkten. Die wachsende Nachfrage nach transparenten Nachhaltigkeits-Kriterien macht auch vor der Arbeitskraftabsicherung nicht halt.
  • Schärfere Leistungskriterien: Die Anforderungen an Kapitalleistungen bei Leistungseinstellung wurden präzisiert. Ebenso wurden die Kriterien zur Arbeitsunfähigkeitsklausel und zum Nachweis der Arbeitsunfähigkeit neu gewichtet. Der Verzicht auf Leistungsausschlüsse bei Terrorakten und ABC-Waffen wird künftig differenzierter bewertet. Maßgeblich ist, ob eine grundsätzliche Leistungspflicht besteht, sofern keine Gefährdung des Kollektivs vorliegt.

Der Preiskampf und seine Folgen

Ein strukturelles Problem des BU-Marktes ist der anhaltende Preiswettbewerb. Einzelne Anbieter unterschreiten die Durchschnittsprämie am Markt um 40 Prozent und mehr. Die Prämienentwicklung über die vergangene Dekade verdeutlicht den Trend: Während die Bruttoprämie für einen Maschinenbauingenieur seit 2015 von 103,34 auf 81,67 Euro fiel, sank sie für einen Tischler von 228,94 auf 217,75 Euro (Quelle: map-report Nr. 943 – BU-Stabilitätsrating 2026). Bei den Nettoprämien ist der Rückgang noch ausgeprägter.

Gleichzeitig wächst das Leistungsversprechen: Nachversicherungsgarantien, AU-Bausteine und Zusatzoptionen werden ausgebaut, während die Risikoprüfung schlanker wird. Seltener angeforderte Arztberichte und verkürzte Abfragezeiträume erhöhen die aktuarielle Unsicherheit. 
Seit Beginn der Analyseserie im Jahr 2010 haben über 20 Anbieter ihre Risikoüberschüsse teils massiv gesenkt. Die verstärkte Gewichtung des map-report BU-Stabilitätsratings im Produktrating ist eine direkte Antwort darauf: Eine BU-Versicherung wird oft über Jahrzehnte gehalten. „Ein günstiger Tarif heute ist keine Garantie für einen stabilen Tarif morgen – das zeigt der Blick auf die Überschussentwicklung der vergangenen Jahre nur allzu deutlich“, erklärt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH. „Wer bei der Prämienkalkulation zu weit geht, erkauft sich Neugeschäft auf Kosten der Stabilität – und das zahlen am Ende die Versicherten.“

Psychische Erkrankungen: Das größte Einzelrisiko

Erste Ergebnisse der kommenden BU-Leistungspraxisstudie 2026 von Franke und Bornberg zeigen: Mit einem Anteil von 28,35 Prozent sind psychische Erkrankungen die häufigste Einzelursache für Berufsunfähigkeit – weit vor Skelett- und Bewegungserkrankungen (18,77 Prozent) und Krebserkrankungen (15,18 Prozent). Auch bei der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente gehen mittlerweile über 40 Prozent aller neuen Bewilligungen auf psychische Erkrankungen zurück (Quelle: Deutsche Rentenversicherung, 2024), was eine weitere Steigerung auch in der BU erwarten lässt. Die Versicherungswirtschaft steht vor der Herausforderung, einerseits das Risiko beherrschbar zu kalkulieren und andererseits den Zugang zur Absicherung offenzuhalten – auch für Menschen, die Therapie bereits in Anspruch genommen haben.

EU-Rating: Nischenprodukt mit Aufholbedarf

Parallel zum BU-Rating hat Franke und Bornberg auch das Rating zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) überarbeitet. Für das aktuelle EU-Rating wurden 22 Tarife von elf Versicherern analysiert. Drei Tarife erreichen die Bestnote FFF+ (hervorragend), zehn Tarife FFF (sehr gut) und neun Tarife FF+ (gut). Kein Tarif bleibt unter FF+.

Die EU ist konzeptionell einfach: Sie stockt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente auf, die im Durchschnitt unter 1.000 Euro monatlich liegt (Quelle: Deutsche Rentenversicherung) – weit unter dem, was die meisten Menschen zur Deckung ihrer Lebenshaltungskosten benötigen. Für viele Verbraucher wäre die EU die bessere oder sogar einzige sinnvolle Alternative zur BU, etwa wenn die finanziellen Möglichkeiten oder der ausgeübte Beruf einen BU-Schutz erschweren oder ausschließen. „Die EU ist das am stärksten unterschätzte Produkt in der Arbeitskraftabsicherung", sagt Philipp Wedekind, Leiter Ratings Vorsorge und Nachhaltigkeit bei Franke und Bornberg. „Wer sie in der Beratung übergeht, lässt Menschen ohne Schutz, die ihn dringend brauchen.“

Das überarbeitete EU-Rating setzt auf eine breitere Differenzierung. Zahlreiche Gewichtungsänderungen – unter anderem bei Beitragsstundung, vereinfachtem Anerkenntnis, Regelungen zur Anzeigepflicht und zum Geltungsbereich – schärfen den Blick auf die Aspekte, die tatsächlich Qualitätsunterschiede zwischen den Anbietern abbilden. Kriterien, bei denen bislang nahezu alle Versicherer die maximale Punktzahl erzielten, wurden gezielt geringer gewichtet. Neu aufgenommen wurden außerdem zusätzliche Voraussetzungen für Kapitalleistungen bei Leistungseinstellung sowie das überarbeitete Terrorkriterium analog zum BU-Rating.

Notenübersicht BU- und EU-Rating 2026

Franke und Bornberg hat für das BU-Rating 190 Tarife von 52 Versicherern analysiert. 31,1 Prozent der Tarife erreichen die Bestnote FFF+ (hervorragend), 46,3 Prozent die Note FFF (sehr gut) und 14,2 Prozent FF+ (gut). 5,3 Prozent erhalten FF (befriedigend), 3,2 Prozent F+ (ausreichend), kein Tarif fällt darunter. Das EU-Rating umfasst 17 Tarife von elf Versicherern: 17,6 Prozent erreichen FFF+ (hervorragend), 47,1 Prozent FFF (sehr gut) und 35,3 Prozent FF+ (gut). Kein EU-Tarif bleibt unter FF+. Beide Märkte zeigen eine hohe Qualitätsdichte im oberen Bewertungsspektrum.

Methodik in Kürze

Das BU-Rating von Franke und Bornberg bewertet Tarife nach einem mehrstufigen Kriterienkatalog, der Bedingungsqualität, Versichererstabilität und Leistungspraxis verbindet. Mindeststandards für die oberen Bewertungsklassen stellen sicher, dass Tarife der Ratingklassen FFF+ und FFF durchgängig überdurchschnittliche Qualität aufweisen. Zu den unveränderten Mindeststandards zählen unter anderem weltweiter Versicherungsschutz, kundenfreundliche Regelungen bei schuldlos verletzter Anzeigepflicht sowie der Verzicht auf abstrakte Verweisung bei Erstprüfungen. Die Stabilitätskomponente basiert auf den Ergebnissen des map-report BU-Stabilitätsratings (map-report Nr. 943). Das EU-Rating folgt einem eigenständigen Kriterienkatalog mit angepassten Gewichtungen, der auf eine präzisere Differenzierung zwischen den Anbietern ausgerichtet ist.

Die Ausweisung der Ergebnisse erfolgt nach dem FFF-Code – von FFF+ (hervorragend) bis F- (ungenügend). Alle Ergebnisse sowie die aktuellen Ratingkriterien stellt Franke und Bornberg auf seiner Homepage kostenlos zur Verfügung.

Fazit und Ausblick

Das BU-Rating 2026 setzt neue Maßstäbe: Qualität in den Bedingungen allein reicht nicht mehr. Stabilität und Nachhaltigkeit erhalten als eigenständige Bewertungsdimensionen eine wachsende Bedeutung – eine Entwicklung, die der Markt schon länger gebraucht hat. „Bedingungsqualität ist die Eintrittskarte – aber kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Wer heute eine BU empfiehlt, muss wissen, ob der Versicherer dahinter auch in zehn oder zwanzig Jahren noch das hält, was er heute verspricht“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH.

Für die EU gilt: Das überarbeitete Rating gibt einem zu Unrecht vernachlässigten Produkt das analytische Fundament, das es verdient. Beides zusammen liefert Verbrauchern, Vermittlern und der Branche eine verlässliche, aktuelle Grundlage für die wichtigste Absicherungsentscheidung vieler Erwerbstätiger. Im Mai folgt das nächste Update: Franke und Bornberg veröffentlicht dann die aktualisierte BU-Leistungspraxisstudie – mit konkreten Einblicken in das Regulierungsverhalten der Versicherer.

Dateien: