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Arbeitskraftsicherung : Besser gut beraten! Trends und FAQ

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist und bleibt das Top-Produkt für die Arbeitskraftsicherung (AKS), denn nur sie sichert die konkrete berufliche Tätigkeit wirtschaftlich gegen die Risiken von Unfällen und Krankheiten ab. Doch die BU erreicht nicht jeden Kunden. Gerade einmal rund 25 Prozent der privaten Haushalte haben eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Vorerkrankungen versperren oft den Zugang zu einem BU-Vertrag, aber auch die Beitragshöhe übersteigt zunehmend das Budget vieler Erwerbstätiger. Ergänzende Produkte, die zur Kundensituation passen, werden also immer wichtiger.

 

Passgenaue Versicherung (unterhalb der BU)

Eine passgenaue Versicherungslösung kann nur zusammen mit jedem Kunden erarbeitet werden. Orientierung liefern dabei die zum Teil erheblichen Leistungsunterschiede der AKS-Produkte. Weiterhin spielen das Sicherheitsbedürfnis des Kunden, das Berufsbild, das Budget und die gesundheitliche Situation eine Rolle, um individuell den besten Versicherungsschutz zu finden.

Eine erste Orientierung, welche Produkte neben der BU sinnnvoll sein können:

1. Kunde möchte psychische Erkrankungen als Leistungsursache umfangreich abgesichert wissen.

-> EU-Versicherung

2. Für Kunden ist insbesondere die Absicherung körperlicher Fähigkeiten entscheidend.

-> MultiRisk (auf Basis von Grundfähigkeitsversicherungen). Weil bei guten Tarifen bereits der Verlust einzelner Fähigkeiten, wie Heben und Tragen, Knien und Bücken oder Hände und Arme gebrauchen leistungsbegründend ist.

3. Kunde hat bereits Vorerkrankungen und sucht nach einer Grundabsicherung, die mehr bietet als eine reine Unfallversicherung

-> unfallbasierte MultiRisk-Police

Hinweis: Insbesondere bei den MultiRisk-Tarifen auf Basis einer Unfallversicherung sind Kündigungs- und Beitragsanpassungsrechte der Versicherer zu beachten.

AKS-Produktwechsel im Nachhinein noch möglich?

Wenn sich die finanzielle Situation Ihrer Kunden bessert, könnte ein Produktwechsel durchaus interessant sein. Einige Produkte bieten diese Option an, beispielsweise den Wechsel von einer GF/MultiRisk in eine BU oder von einer EU in BU. Teils mit gewissen Einschränkungen, wie eine Frist nach Vertragsbeginn oder ein Höchstalter. Beispiele:

MultiRisk: Eine Umtauschoption bieten die Trias, die Axa und die Cardea

Grundfähigkeit: Eine Umtauschoption bieten die WWK und Canada Life

EU: Einige Gesellschaften bieten eine Option auf Umtausch in eine BU. Jedoch oft nur für Schüler, Azubis und Studenten (häufig ist für diese Personen dann auch keine BU-Absicherung möglich). Eine „echte“ Option, unabhängig vom Beruf hat beispielsweise der Volkswohl Bund (beschränkt auf die ersten 2 VJ) oder Zurich (nur bis Alter 35 möglich).

AU-Leistung/AU-Klausel

Die AU-Klausel (Arbeitsunfähigkeits-Klausel) verspricht bei einer länger anhaltenden Arbeitsunfähigkeit unter bestimmten Bedingungen eine Rentenzahlung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Welche Versicherungsgesellschaft bietet sie an?

Sie ist beispielsweise bei den Versicherungsgesellschaften Allianz, Condor, Generali, Gothaer und Nürnberger fest verankert und bei der Alten Leipziger, Continentale, LV1871 sowie beim VolkswohlBund als Option gegen Mehrpreis erhältlich. Beispiele:

Die Alte Leipziger (Tarif SBU BV10) hat die AU als Option:

Bankkaufmann, 30 Jahre, 1000€ Rente, EA 67, 100% kaufm.:

Ohne AU: 69,75€ Brutto / 50,22€ Netto

Mit AU: 72,07€ Brutto / 51,89€ Nett

Mechatroniker, 30 Jahre, 1000€ Rente, EA 65, 100% körpl.:

Ohne AU: 142,93€ Brutto / 102,90€ Netto

Mit AU: 148,07€ Brutto / 106,61€ Netto

Welchen Mehrwert hat eine solche Klausel?

Sie stellt durchaus einen Mehrwert dar (führt aber je nach Tarif auch zu einer höheren Prämie und damit zu einer weiteren Verkleinerung der Zielgruppe, sofern nicht parallel auch preisorientierte BU-Produkte angeboten werden).

Liegt beispielsweise eine längere AU vor, können finanzielle Engpässe entstehen, wenn eine Berufsunfähigkeit noch nicht beantragt oder entschieden ist und die Krankenkasse oder der private Krankenversicherer die Zahlung von Krankengeld oder Krankentagegeld einstellt. Beispiel:

Hat ein privat Krankenversicherter die BU nicht bei demselben Versicherer abgeschlossen wie die Krankentagegeldversicherung, kann es im Leistungsfall vom BU-Versicherer und vom Krankenversicherer zu unterschiedlichen Einschätzungen über den Status AU oder BU kommen. Eine AU-Leistung als Überbrückungsmöglichkeit ist in diesem Fall durchaus sinnvoll. Auch Selbständige, die keine Verdienstausfallversicherung haben, könnten von einer AU-Regelung in der BU besonders profitieren.

Was ist zu beachten? 

Derartige Verträge unterscheiden sich beispielsweise in Hinblick auf die Leistungsdauer, sie reicht von unbefristet über 24 Monate bis hin zu insgesamt 18 Monaten. Auch bei der Leistungshöhe (von 30 Prozent bis zur Höhe der vollen BU-Rente) und bei der Frage, ob eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung als Nachweis anerkannt wird oder der Versicherer sich ein eigenes Prüfungsrecht vorbehält, gibt es Abweichungen.

Die Condor hat die Möglichkeit einer eigenen Prüfung der AU. Bei den anderen Gesellschaften reicht eine Krankschreibung (durch einen Facharzt) als Nachweis zum Erhalt der Leistung.

Leistungsdauer: Es geht von unbefristet (Condor) über 24 Monate (Alte Leipziger) bis hinunter zu 18 Monaten (Allianz, LV 1871, Generali, Nürnberger, Continentale, Gothaer, VolkswohlBund).

Leistungshöhe: Die Nürnberger leistet 30% der vereinbarten BU-Rente. Die anderen Gesellschaften erbringen eine Leistung in Höhe der BU-Rente.

Zusammenfassung und Fazit

Ist die BU nicht finanzierbar oder versperren Vorerkrankungen den Zugang, sind andere Produkte zur Arbeitskraftsicherung gefragt, um möglichst einen umfassenden Gesamtschutz zu erreichen. Sollte sich die finanzielle Situation des Kunden verbessern, bieten einige Produkte auch eine Wechseloption an.

Die AU-Klausel, die bei einigen Versicherungsgesellschaften bereits fest verankert ist, stellt durchaus einen Mehrwert (Überbrückungsmöglichkeit) dar, kann die Kosten des Produkts allerdings erhöhen. Es lohnt sich ein Blick in das Kleingedruckte, beispielsweise was die Leistungsvoraussetzungen, -dauer und -höhe betrifft.

Bei der Beratung spielen die zum Teil erheblichen Leistungsunterschiede der AKS-Produkte eine wichtige Rolle, ebenso die persönliche Situation und die individuellen Bedürfnisse der Kunden. Eine umfassende Beratung zeugt von einer hohen Kompetenz und eröffnet die Chance für das Erarbeiten eines individuell auf jeden Kunden passenden und bedarfsgerechten Versicherungsschutz.

Wertvolle Unterstützung kann Ihnen dabei übrigens unser AKS-Tool bieten. Jede Beratung wird dokumentiert und bietet eine verständliche Synopse der besprochenen Produktlösungen Näheres dazu finden Sie hier.

Kommentare

Ich würde mir wünschen, dass die Gesellschaften auch Online-Lösungen für die Erwerbsunfähigkeitsversicherung schaffen. Hier gibt es für Versicherungsmakler so gut wie keine technische Lösung, die man in seine Homepage einbauen kann. In Zeiten, wo fast keine BU mehr ohne Ausschluss beantragt werden kann, ist auch die Erwerbsunfähigkeitsversicherung eine Alternative.

Ich danke Ihnen für den informativen Artikel. Eine sehr gute Zusammenfassung. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist lohnenswert. Die EU bzw. EM-Rente dürfte in einigen Jahren nicht mehr ausreichend sein.

Den umfassenden Schutz einer Berufsunfähigkeit können sich viele Berufe oder aber Kunden mit Vorerkrankungen aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen nicht zulegen. Gut, dass hier unterhalb der BU Bewegung in den Markt mit vielen neuen Lösungen zur Arbeitskraftabsicherung kommt. Der Bedingungswettbewerb in der Berufsunfähigkeitsversicherung spielt sich derzeit im Bereich der AU-Klauseln ab, gut für Verbraucher. Die Teilausschnittdeckungen der verschieden Arbeitskraftschutzprodukte sollten allerdings gut dokumentiert werden, da ist das AKS-Tool sicherlich ein Hilfe.

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