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Privater Rechtsschutz: Mehr gute Tarife, aber ein Fünftel bleibt zurück

Franke und Bornberg bewertet 254 Tarife von 38 Versicherern. Mehr als sechs von zehn Tarifen sind mindestens sehr gut – doch rund ein Fünftel bleibt deutlich unter dem Niveau.

Hannover, 04. Mai 2026. Das Interesse an Rechtsschutzversicherungen ist ungebrochen. Der Versichererverband GDV rechnet für das Jahr 2025 mit rund 26 Millionen Verträgen. Die Nachfrage ist stabil, der Wettbewerb konzentriert sich zunehmend auf Leistungstiefe statt auf den Preis. Guter Versicherungsschutz ist gefragt, steigen doch laut GDV aufgrund gesetzlicher Anpassungen im Rahmen des Kosten- und Betreuervergütungsrechtsänderungsgesetz 2025 (KostBRÄG 2025) auch die Gebühren für Anwälte und Gerichte um rund 250 Mio. Euro pro Jahr. Auf 4,1 Mrd. Euro schätzt der GDV die Schadenaufwendungen für das Jahr 2025, nach 3,8 Mrd. Euro im Jahr zuvor.

Franke und Bornberg hat für den aktuellen Ratingjahrgang 254 Tarife und Tarifvarianten von 38 Versicherungsgesellschaften untersucht – und stellt fest: Die Qualität steigt, aber mit überschaubarem Tempo. Das zeigt: Produktvergleiche bleiben unverzichtbar.

Methodik: Bewährtes Verfahren, unveränderte Kriterien

Das Ratingverfahren orientiert sich wie in den Vorjahren an den vier Leistungsbereichen Privat-, Berufs-, Verkehrs- sowie Wohnungs-Rechtsschutz. Nur Tarife, die alle vier Bereiche abdecken, werden bewertet. Das Rating differenziert zwischen Familien (81 Kriterien) und Singles (74 Kriterien). Im aktuellen Jahrgang wurden gegenüber dem Vorjahr keine Änderungen an den Ratingkriterien vorgenommen.

Mindeststandards als Qualitätsanker

Mit Mindeststandards stellt Franke und Bornberg sicher, dass gut bewertete Produkte in allen Bewertungskategorien durchgängig überdurchschnittliche Qualität aufweisen. Je höher die angestrebte Ratingklasse, desto strenger die Anforderungen.

Ergebnisse: Rechtsschutz für Familien

Im Segment Familie erreichen 11,8 Prozent aller Tarife die Höchstnote FFF+ (hervorragend). Die größte Gruppe bildet die Note FFF (sehr gut) mit 50,8 Prozent. Weitere 15,7 Prozent landen bei FF+ (gut). Auf der anderen Seite erhalten 12,6 Prozent die Note FF (befriedigend), 7,1 Prozent F+ (ausreichend) und 2,0 Prozent F (mangelhaft). Kein Tarif fällt in die Klasse F- (ungenügend).

Ergebnisse: Rechtsschutz für Singles

Im Single-Segment ist das Bild ähnlich: 11,8 Prozent der Tarife erhalten FFF+, 50,0 Prozent FFF. Je 15,4 Prozent landen bei FF+, 11,0 Prozent bei FF und 9,1 Prozent bei F+. Noch 2,8 Prozent der Tarife erhalten lediglich die Note F. Auch hier kein Tarif im Bereich F-.

Über beide Segmente hinweg gilt: Mehr als sechs von zehn Tarifen sind mindestens sehr gut. Rund ein Fünftel der Tarife bleibt im befriedigenden Bereich oder schlechter – eine Lücke, die im Leistungsfall spürbar werden kann. „Rechtsschutz ist längst kein Standardprodukt mehr – die Unterschiede zwischen den Tarifen sind beträchtlich. Wer bei der Auswahl nur auf die Prämie schaut, riskiert im Ernstfall böse Überraschungen," sagt Michael Franke, Gründer und Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH.

Wo Rechtsschutztarife scheitern

Eine hartnäckige Hürde auf dem Weg zur Höchstnote FFF+ bleibt die vorsorgliche Rechtsberatung. Viele sehr gute Tarife scheitern an diesem Mindeststandard, weil sie keine anwaltliche Beratung ermöglichen, solange noch kein Rechtsschutzfall vorliegt – also genau dann, wenn frühzeitiges Handeln einen Streit vermeiden könnte.

Tarife unterhalb von FFF zeigen Schwächen vor allem beim Arbeitsrechtsschutz, Immobilienrechtsschutz sowie beim außergerichtlichen Verwaltungs-, Steuer- oder Sozialrechtsschutz. Auch im Internet-Rechtsschutz und im Rechtsschutz für Erb-, Familien- und Lebenspartnerschaftsrecht bleiben manche Angebote hinter dem erreichbaren Niveau zurück.

„Der Markt zeigt, dass Qualitätsverbesserung möglich ist – und dass sie nicht automatisch passiert. Wer als Versicherer in der oberen Hälfte des Ratings stehen will, muss in die Breite der Produktqualität investieren," erklärt Christian Monke, Leiter Ratings Private Risiken bei Franke und Bornberg. 

Die Methodik des Rechtsschutzratings in Kürze

Die Bewertung basiert ausschließlich auf rechtsverbindlichen Unterlagen – Versicherungsbedingungen, verbindlichen Verbraucherinformationen, Antragsformularen und Versicherungsscheinen. Selbstauskünfte der Versicherer oder werbliche Angaben bleiben unberücksichtigt. Die Bewertungsskala reicht von FFF+ (hervorragend, ab 85 Prozent der erreichbaren Punkte) bis F- (ungenügend, unter 35 Prozent). Mindeststandards für die oberen Klassen stellen sicher, dass zentrale Leistungsmerkmale nicht durch gute Ergebnisse in Nebenbereichen überdeckt werden.

Einordnung und Markttrend

Die stabile Marktdurchdringung von rund 26 Millionen Verträgen zeigt: Das Interesse an Rechtsschutz ist ungebrochen. Dabei steht die Leistung oft im Mittelpunkt. Ein aggressives Pricing, wie in anderen Sparten zu beobachten ist, sehen die Analysten in der Rechtsschutzversicherung nicht. Für einen sehr guten Tarif mit 150 Euro Selbstbehalt zahlen Singles ab rund 320 Euro jährlich, Familien ab 350 Euro – was einer moderaten Steigerung der Beiträge in den letzten Jahren entspricht. Eher wird mit variablen Selbstbehalten bei Schadenfreiheit finanzieller Spielraum geschaffen.

Fazit und Ausblick

Die Qualität privater Rechtsschutztarife entwickelt sich insgesamt positiv. Mehr als die Hälfte aller Tarife sind mindestens sehr gut – ein erfreuliches Signal. Gleichzeitig bleibt ein nennenswerter Teil des Marktes hinter dem erreichbaren Niveau zurück. Gerade bei den Themen vorsorgliche Rechtsberatung und Internet-Rechtsschutz hat die Branche noch Spielraum nach oben.

Das vollständige Rating auf Tarifebene sowie die Bewertungsrichtlinien veröffentlicht Franke und Bornberg unter diesem Link. Die aktuelle Ratingübersicht liefert stets eine Zeitpunktbetrachtung; neu hinzukommende Tarife und Änderungen werden laufend aktualisiert.

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