BU-Leistungspraxisstudie 2026: Versicherer zahlen – aber es dauert länger
Franke und Bornberg hat die Leistungspraxis von 16 Berufsunfähigkeitsversicherern analysiert. Die Anerkennungsquote bleibt stabil bei fast 80 Prozent – doch die Regulierungsdauer steigt erneut und erreicht 2024 im Schnitt 201 Tage.
Hannover, 09.06.2026. Billiger ist nicht automatisch schlechter – zumindest nicht im Ernstfall. Das zeigt die neue BU-Leistungspraxisstudie 2026 von Franke und Bornberg. Trotz des anhaltenden Preisdrucks im Markt für Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zahlen die untersuchten Versicherer: Die Anerkennungsquote liegt unabhängig von der Rentenhöhe stabil bei knapp 80 Prozent. Doch der Druck in der Branche macht sich bemerkbar – die durchschnittliche Regulierungsdauer ist 2024 erneut gestiegen, von 189 auf 201 Tage. Ein Befund, der Verbrauchern, Beratern und der Versicherungswirtschaft gleichermaßen zu denken geben sollte.
Der Kontext ist entscheidend: Laut dem map-report Nr. 943 – BU-Stabilitätsrating 2026 von Franke und Bornberg unterschreiten einzelne Versicherer die Marktdurchschnittsprämie um 40 Prozent und mehr. Gleichzeitig wachsen Leistungsversprechen: Nachversicherungsgarantien, AU-Bausteine, Günstigerprüfungen und Umtauschoptionen setzen die Preisgestaltung zusätzlich unter Druck. Da liegt die Frage nahe: Zahlen die Versicherer wirklich – und wie verlässlich?
BU-Leistungspraxisstudie 2026: Umfang und Methodik
Die BU-Leistungspraxisstudie 2026 von Franke und Bornberg analysierte 36.128 Leistungsfälle aus dem Jahr 2024 – das entspricht mehr als 60 Prozent aller BU-Leistungsfälle am deutschen Markt. Die 16 teilnehmenden Versicherer repräsentieren einen Gesamtbestand von 9,31 Millionen BU-Versicherten. Insgesamt wurden im BU-Markt 2024 ca. 58.000 Leistungsfälle registriert. Damit ist diese Untersuchung die umfangreichste ihrer Art in Deutschland.
Die Daten wurden per Stichprobe überprüft, was ihre hohe Qualität und Belastbarkeit belegt. Das Stichprobenverfahren sichert die statistische Validität der Ergebnisse. Für Verbraucher und Berater liefert die Studie damit das umfassendste Bild der tatsächlichen Regulierungspraxis in der BU.
„Der anhaltende Preiswettbewerb im BU-Markt wirft eine entscheidende Frage auf: Halten die Versicherer im Leistungsfall, was sie versprechen? Unsere Studie gibt darauf eine klare Antwort – und zeigt zugleich, wo die Branche noch Handlungsbedarf hat. Steigende Regulierungsdauern sind kein Kavaliersdelikt, wenn Menschen in einer existenziellen Situation auf ihre Leistungen warten müssen“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH.
Anerkennungsquoten in der BU-Leistungspraxis 2024: Stabiles Ergebnis
Die Gesamtanerkennungsquote liegt unabhängig von der Rentenhöhe bei knapp 80 Prozent. Das ist ein belastbarer Beleg dafür, dass berechtigte Ansprüche in der Mehrheit der Fälle anerkannt werden. Fast 60 Prozent der Ablehnungen erfolgen aus medizinischen Gründen – der versicherte BU-Grad wurde nicht erreicht.
Besonders bemerkenswert ist der Befund zu Verweisungen und Umorganisation: Konkrete und abstrakte Verweisungen sowie Umorganisationen kommen zusammen auf einen Anteil von lediglich 0,87 Prozent – solche Ablehnungsgründe spielen in der Leistungspraxis also eine untergeordnete Rolle. Dieses Ergebnis steht im klaren Widerspruch zu einem verbreiteten Vorurteil, das Verweisung als gängiges Ablehnungsinstrument der Versicherungswirtschaft betrachtet.
Regulierungsdauer steigt erneut: 201 Tage im Schnitt
Die durchschnittliche Gesamtregulierungsdauer aller Entscheidungen ist 2024 erneut gestiegen – von 189 Tagen im Vorjahr auf nun 201 Tage. Bei Anerkennungen beträgt die Regulierungsdauer durchschnittlich 192 Tage, bei Ablehnungen 208 Tage. Den höchsten Wert weisen Leistungsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen auf: Hier dauert eine Anerkennung im Schnitt 286 Tage, eine Ablehnung 278 Tage.
Die langen Regulierungsdauern bei psychischen Erkrankungen sind auf zwei Faktoren zurückzuführen: die diagnostische Komplexität der Erkrankungen sowie die Schwierigkeit, bei psychischen Leiden einen exakten BU-Grad festzulegen. An zweiter Stelle folgen Verletzungen und Unfälle mit 237 Tagen bei Ablehnungen und 216 Tagen bei Anerkennungen.
Krankheitsbilder in der BU-Leistungspraxis 2024: Psychische Erkrankungen dominieren
Psychische Erkrankungen sind 2024 mit einem Anteil von 28,35 Prozent der häufigste Grund für eine Berufsunfähigkeit – deutlich vor Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (18,77 %) und Krebserkrankungen (15,18 %). Bei Frauen liegt der Anteil psychischer Erkrankungen mit 29,52 Prozent noch höher als bei Männern (21,87 %). Auch gesamtgesellschaftlich zeigt sich diese Tendenz: Laut Deutsche Rentenversicherung (2024) gehen mittlerweile über 40 Prozent aller neuen Bewilligungen bei der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente auf psychische Erkrankungen zurück.
Neue Erkenntnisse der BU-Leistungspraxisstudie 2026: Post/Long-COVID/VAC und Mitwirkungspflicht
Erstmals analysiert die Studie 2026 systematisch Leistungsanträge aufgrund von Post/Long-COVID/VAC. Von über 300 untersuchten Anträgen wurden 86 Prozent anerkannt. Dieses Ergebnis ist besonders bemerkenswert, da Post/Long-COVID/VAC diagnostisch kein einheitliches Krankheitsbild darstellt – die Symptome sind vielfältig und schwer abzugrenzen (Quelle: Robert Koch-Institut). Die hohe Anerkennungsquote ist ein klares Signal dafür, dass die untersuchten Versicherer konstruktiv mit dem neuen Krankheitsbild umgehen.
Ein weiterer neuer Aspekt der Studie betrifft die sogenannte Mitwirkungspflicht. Sie verpflichtet Versicherte im Leistungsfall zur aktiven Mitarbeit – etwa durch die vollständige Einreichung ärztlicher Unterlagen, die Bereitschaft zu Untersuchungen durch vom Versicherer beauftragte Ärzte oder die Beantwortung von Fragen zur beruflichen Situation. Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen diese Pflicht besonders häufig verletzen. Die Studiendaten widerlegen das: Mitwirkungspflichtverletzungen kommen bei psychischen Erkrankungen nur in 17 Prozent der Fälle vor.
„Die BU-Leistungspraxisstudie liefert Fakten, wo bislang oft Vorurteile das Bild bestimmt haben. Die hohe Anerkennungsquote bei Post/Long-COVID/VAC trotz diagnostischer Unsicherheit zeigt, dass die Versicherer verantwortungsvoll mit neuen Krankheitsbildern umgehen. Gleichzeitig müssen wir klar benennen: Steigende Regulierungsdauern sind ein strukturelles Problem, das die Branche aktiv angehen muss“, erläutert Philipp Wedekind, Leiter Ratings Vorsorge und Nachhaltigkeit bei Franke und Bornberg.
Fazit und Ausblick: Leistungsversprechen gehalten – Handlungsbedarf bei Regulierungsdauer
Die BU-Leistungspraxisstudie 2026 von Franke und Bornberg zeichnet ein differenziertes Bild. Die Versicherer halten ihr Leistungsversprechen: Die Anerkennungsquote ist stabil, Verweisungen sind die seltene Ausnahme, und auch bei schwierigen Fällen wie Post/Long-COVID/VAC zeigen die Versicherer hohe Expertise. Gleichzeitig wächst der Druck, den die steigende Regulierungsdauer auf Versicherte im Leistungsfall ausübt. Der Anstieg von 189 auf 201 Tage ist ein Warnsignal, das die Branche ernst nehmen sollte. Gegensteuern lässt sich vor allem durch den gezielten Aufbau qualifizierter Leistungsprüfer und einer stärkeren Einbindung von KI in die Regulierungsprozesse.
Franke und Bornberg wird die Entwicklungen in der BU-Leistungspraxis weiterhin systematisch beobachten. Die Studie erscheint jährlich und ist die bislang umfangreichste Untersuchung ihrer Art in Deutschland. Für den Bezug wenden Sie sich bitte an Frau Janine Sachs, Key Account Managerin Franke und Bornberg: janine [dood] sachs
franke-bornberg [dood] de / +49 511 367 389-20.
Teilnehmende Versicherer der BU-Leistungspraxisstudie 2026
- Allianz
- Alte Leipziger
- AXA
- Die Continentale
- DBV
- Deutsche Ärzteversicherung
- Dialog
- ERGO
- Generali
- Gothaer
- HDI
- Münchener Verein
- Nürnberger
- Signal Iduna
- Die Stuttgarter
- Zurich
Fakten zur BU-Leistungspraxisstudie 2026
| Studie | BU-Leistungspraxisstudie 2026 |
| Analysierte Leistungsfälle | 36.128 aus dem Jahr 2024 |
| Marktabdeckung | >60% aller BU-Leistungsfälle am deutschen Markt |
| Gesamtzahl BU-Leistungsfälle 2024 | ca. 58.000 |
| Beteiligte Versicherer | 16 |
| Gesamtbestand BU-Versicherte | 9,31 Millionen |
| Anerkennungsquote gesamt | ca. 80% |
| Anerkennungsquote Post/Long-COVID/VAC | 86% |
| Durchschnittliche Regulierungsdauer 2024 | 201 Tage |
| Häufigster Berufsunfähigkeitsgrund | psychische Erkrankungen (28,35%) |
Pressekontakt
Katrin Bornberg
Telefon +49 (0) 511 367 389 0
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